Presseberichte
"Lehrstück mit Blendwirkung" |
16vor vom 06.02.2012 |
Als Mitglied des Klimabündnisses hat sich die Stadt Trier das Ziel gesetzt, ihre Kohlendioxid-Emissionen langfristig und dauerhaft zu senken. Einen Beitrag dazu könnte eine großflächige Photovoltaik-Anlage auf dem Petrisberg leisten. Während die Stadtverwaltung das Projekt längst in trockenen Tüchern sieht und sich im Stadtrat eine deutliche Mehrheit für das Vorhaben fand, fordert eine Bürgerinitiative den Stopp des “Prestigeprojekts”: Das Verfahren sei intransparent, der Standort ungeeignet. Auf Einladung des Bernhard-Vogel-Kreises diskutierten jetzt Befürworter und Gegner des Projekts. Die Podiumsdiskussion geriet auch zu einem Lehrstück über das Verhältnis von Bürgern und Politikern. TRIER. “Ich bin gegen Solarstrom.” Es wird Mühe kosten, jemanden zu finden, der diesen Satz unterschreibt. Nicht erst seit dem Atomausstieg firmiert das Bekenntnis zu Strom aus regenerativen Quellen als gesamtgesellschaftlicher Konsens. Doch das generelle “Ja” wird schnell zum energischen “Aber nicht hier!”, sobald die Konsequenzen in den Alltag der Bürger hineinreichen. Die Energiewende ist kein Abstraktum, sie manifestiert sich in weithin sichtbaren Symbolen in der Landschaft. Je mehr Stromtrassen, Windräder und Biogasanlagen gebaut werden, desto größer wird auch die Gruppe derer, für die das Englische den Ausdruck “Nimby” parat hat – “Not In My Backyard”. Im Deutschen bekannt als Sankt-Florians-Prinzip, das Probleme nicht lösen, sondern auf andere abschieben will. Dass trotz der Aktualität des Themas die Reihen im Hörsaal 5 der Universität nur spärlich besetzt sind, schreibt Ignaz Bender der klirrenden Kälte zu. Wahrscheinlich hat er Recht, denn das diskutierte Vorhaben dürfte weit mehr Menschen interessieren, als die betroffenen Anwohner. Der Bernhard-Vogel-Kreis hat am vergangenen Donnerstag geladen, es sollen Pro- und Contra-Argumente zum Bau einer eigentlich längst beschlossenen Photovoltaik-Anlage auf dem Petrisberg ausgetauscht werden. Im Kern dreht sich die Podiumsdiskussion aber um ganz grundsätzliche Fragen. Denn während der Stadtrat bereits im September letzten Jahres eine Bebauungsplansatzung beschlossen hat, regt sich bei Bürgern – vor allem aus dem anliegenden Stadtteil – vehementer Widerstand gegen die Pläne. Diskussionsbedarf, der aus Sicht des Stadtrats nicht besteht. Dass die Stadt Trier als größter Verbraucher in der Region auch als Produzent regenerativer Energien auftreten muss, zumal als Mitglied des Klimabündnisses, scheint fraktionsübergreifender Konsens. Die Frage ist also nicht, ob eine Anlage gebaut wird, sondern wo und wie viele. Die Wahl fiel auf den Petrisberg, weil er aus Sicht der Befürworter gleich in mehrfacher Hinsicht die Kriterien erfüllt: Als Konversionsfläche wird seine Nutzung in besonderem Maße gefördert, die Abfallbelastung des Areals verbietet eine Nutzung als Wohngebiet, die süd-östliche Hanglage ist prädestiniert für die Installation der Module, und es besteht kein schützenswertes Biotop. Neben der Tatsache, dass die Fläche wesentlich günstiger zu nutzen ist als ausgewiesene Industriegebiete oder Ackerflächen, steht zudem schon ein williger Investor auf der Matte. Alles Argumente, die der Stadtrat abwägte, bis er sich schließlich mit überwältigender Mehrheit für den Standort aussprach. Keine Abwägung, sondern eine Farce, argumentieren hingegen die Kritiker. Stellvertretend für die “Bürgerinitiative Heinrich-Lübke-Straße” trägt Klaus Wittenkämper die Liste der Bedenken vor – und die ist lang. “Wir sind nicht gegen die Anlage, und wir sind auch nicht gegen Photovoltaik. Wir sind gegen den Standort und die Art des Verfahrens”, setzt er beinahe trotzig an, um dann zu einem Rundumschlag gegen das Projekt auszuholen: Der Entscheidung für den Standort Petrisberg seien fehlerhafte Abwägung, falsche Schlussfolgerungen und Täuschungsmanöver vorausgegangen. Das Areal, das von den Projektplanern als einzig in Frage kommendes präsentiert werde, sei “völlig ungeeignet”. Die Erschließung (“metertiefe Gräben”) des ehemals als Müllkippe genutzten Konversionsgeländes führe zur Kontamination des Grundwassers, die Erwärmung der Module störe im Sommer den Kaltluftabfluss ins Tal, das Wegenetz des Naherholungsgebietes werde zerschnitten und die Blendwirkung der Module lasse sich auch durch die vorgesehene Bepflanzung nicht eindämmen. Kurzum: Das gesamte Areal würde als Wohn- und Naherholungsgebiet an Qualität einbüßen. Seinen Ausführungen zufolge gäbe es wohl weltweit kein Gelände, das weniger geeignet wäre, um eine Photovoltaikanlage darauf zu errichten. Auch Eckart Leipprand, ehemals Stadtplaner im Trierer Rathaus, redet gegen das Vorhaben, und berufsbedingt liefert er die Argumente aus städtebaulicher Sicht. Mit der Errichtung einer industriellen Photovoltaikanlage werde kostbare innerstädtische Fläche für stadtfremde Zwecke verschwendet, meint Leipprand. Seine Vision für die Höhenlage sieht eine Erschließung als Baugebiet und städtische Wohnfläche vor – als “einer der sieben Hügel im Rom des Nordens”. Ihm dränge sich der Verdacht auf, dass es sich bei der Anlage um ein Prestige-Projekt handele, das sich in das werbewirksame Image vom modernen Petrisberg mit Wissenschaftspark und Universität einfüge. Den anwesenden Vertretern aus Stadtrat und Stadtvorstand verlangen die Ausführungen der Projektgegner sichtlich Geduld ab. “Falsche Behauptungen werden dadurch nicht richtiger, dass man sie wiederholt”, kommentiert Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) den Redebeitrag und verweist auf die öffentliche Widerlegung der Argumente durch Gutacher. Befürworter und Gegner tauschen in dieser Podiumsdiskussion nicht zum ersten Mal ihre Argumente aus, doch langsam aber sicher scheint die Geduld beider Parteien erschöpft zu sein. “Sie schüren mit der Aufstellung falscher Tatsachen unbegründete Ängste”, kritisiert Elisabeth Tressel, die ausdrücklich nicht in ihrer Funktion als CDU-Ratsmitglied spricht, sondern als Umweltwissenschaftlerin. Auch die weiteren Fraktionsvertreter wie etwa die Umweltfachfrau Begoña Hermann (SPD) stehen in selten gesehener Eintracht auf dem gleichen Standpunkt: Die Vorteile einer Photovoltaikanlage auf dem Petrisberg überwiegen klar die Nachteile. Nachdem die Sachargumente der Anlagengegner, auch durch den Widerspruch anwesender Experten aus dem Plenum, weggetaut sind, bleibt ein letztes, unverrückbares Argument, das eher ein Ressentiment ist: “Sie können die Anlage überall bauen, nur nicht hier. So etwas gehört dahin, wo es niemanden stört, wo niemand es sieht”, sagt Leipprand. Eine Haltung, der mit sachlichen Argumenten kaum mehr beizukommen ist. Dementsprechend merkt ein anwesender Anwohner aus dem Pubikum auch an, dass er anderer Meinung sei: “Die Gefahr einer Blendwirkung am Nachmittag ist ein Nachteil, den ich gerne in Kauf nehme, wenn es um die Zukunft unserer Kinder geht”. Die Linie in diesem Konflikt verläuft nicht zwischen den verschiedenen Fraktionen, sondern zwischen den Bürgern und ihren Vertretern. Gerne wird sich in solchen Konflikten des Begriffes “Wutbürger” bedient, der sich – quasi zum Selbstzweck – gegen öffentliche Projekte stemmt und Innovationen blockiert, um seinen persönlichen Status Quo zu wahren. Trotzdem wäre es falsch, den Bürgerinitiativen ihre grundsätzliche Berechtigung abzusprechen. In vielen Fällen der Vergangenheit richtete sich ihr Protest eben nicht nur blind gegen ein Bauvorhaben, sondern vor allem gegen intransparente Planung, willkürliche Auftragsvergabe und inkompetente Durchführung. Keine blinde Wut, sondern legitime Kritik mündiger Bürger. Wenn erst ein Vertreter der Stadtwerke anmerken muss, dass man viele der Bürgerbedenken mit einem Besuch in einer der bereits bestehenden Anlagen aus der Welt hätte schaffen können, dann muss man auch zurückfragen: Warum ist das nicht geschehen? Wenn Elisabeth Tressel einräumt, dass eine Bürgerbefragung aus “zeitlichen Gründen” nicht durchgeführt worden sei, dann ist das im Hinblick auf eine zwei Jahre andauernde Anhörungsphase nur schwer nachvollziehbar. Die Podiumsrunde bietet ein Bild, das auch als Karikatur taugen würde: Politiker, die Kaugummi kauend ins Leere starren; daneben Bürger, die in allem, was kommunalpolitisch ist, lautstark und reflexhaft Hinterlist und Inkompetenz wittern. Zwei Lager, die ihr Verhältnis neu erfinden müssen. Denn die Frage nach Zumutbarkeit, nach der gerechten Verteilung notwendiger Belastungen, wird nicht verschwinden, im Gegenteil. Gerd Dahm (Grüne) schwört die Gegner schon darauf ein: “Wir reden nicht über eine einzelne Anlage, sondern über die erste von vielen, die in Zukunft gebaut werden.” Und Hermann gibt zu bedenken: “Wir dürfen nicht glauben, dass eine Energiewende möglich ist, ohne dass wir an uns selbst herangehen”. von Kathrin Schug |
"Mehr als ein religiöses Symbol" |
Trierischer Volksfreund vom 17.07.2011 |
Rheinland-Pfalz und das Saarland tragen es im Wappen: das rote Trierer Sankt-Georgs-Kreuz auf weißem Grund. Über die Bedeutung dieses Symbols hat die saarländische Sozialministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit Gästen des Bernhard-Vogel-Kreises der Universität Trier diskutiert. Trier. Zweimal habe sich das Saarland mittels eines Volksentscheids zu Deutschland und damit auch zur deutschen Kultur bekannt. Dazu gehöre auch die Religion. Dieser Ansicht ist Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), saarländische Ministerin für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport. Auf Einladung des Bernhard-Vogel-Kreises der Hochschulgruppe der Universität Trier hat sie einen Vortrag in der Promotionsaula der Theologischen Fakultät Trier gehalten. Leitfrage des Abends war die Bedeutung des Trierer Kreuzes im saarländischen Wappen. "Trier hat sowohl ökonomisch als auch politisch, aber vor allem religiös eine große Bedeutung für das Saarland", sagte die 48-Jährige. Das Symbol des Kreuzes stehe ganz in der abendländischen Tradition und sei mehr als nur ein Zeichen für Religion. Deswegen sprach Kramp-Karrenbauer auch vom "Kampf für das Kreuz". Das Kreuz definiere die kulturellen Lebensumstände. Es sei in der heutigen Gesellschaft schwer geworden, seine Religion zu zeigen. "In Deutschland lebt man seine Religion eher im Stillen aus. Im Islam ist dies anders." Umso wichtiger erscheint es der Ministerin, dass im saarländischen Landtag ein Kreuz hängt. In der anschließenden Diskussion stand die Frage nach Aktualität und Nutzen der Religion im Vordergrund. "Bei den Begriffen Terrorismus und Al Kaida wird sofort die Religion und deren Fanatismus angeführt. Schnell kommt man zu dem Schluss, dass es ohne Religion keinen Terrorismus gäbe", erklärte Kramp-Karrenbauer. Diesen Schluss hält die Ministerin für falsch. Für sie gebe es zu wenig Religion im Land. Hintergrund des Vortrags war eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs. Dieser hatte erklärt, dass Kruzifixe in Klassenzimmern nicht gegen die Religionsfreiheit verstoßen. Nicht nur die saarländische Ministerin plädierte in der Trierer Promotionsaula für das Kreuz im öffentlichen Raum. Der Jurist Gilbert Haufs-Brusberg kritisierte den Umgang mit Kreuzen in Trierer Gerichtssälen. Bei Renovierungsarbeiten waren dort 2006 die christlichen Symbole abgehängt und nicht wieder angebracht worden. Dies sei erstaunlich, denn sowohl das Land Rheinland-Pfalz wie auch das Saarland trügen das Trierer Kreuz in ihren Wappen. "Ich empfand das Kreuz im Gerichtssaal immer als angenehm. Es zeigt, dass jemand da ist, der einem hilft", sagte Haufs-Brusberg. Ignaz Bender, Vorsitzender des Bernhard-Vogel-Kreises, führte an, dass das Kreuz nicht nur in den Wappen vieler Bundesländer enthalten sei, sondern auch in den Flaggen vieler europäischer Nationen. ass 2007 wurde der Bernhard-Vogel-Kreis von Professoren, Studierenden und Mitarbeitern der Universität Trier gegründet. Sein Ziel: Menschen für politische Inhalte interessieren. Pro Semester gibt es einen Vortrag von Politikern aus Kommune, Land, Bund oder Europa. Der Kreis ist parteipolitisch neutral. Bernhard Vogel war Gründer der Universität Trier und Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen. Infos zum Kreis gibt Ignaz Bender, Telefon 0651/18473, E-Mail: bender@uni-trier.de ass |
Sechs Punkte für ein besseres Bologna |
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16 vor vom 20.02.2010 |
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Bologna und kein Ende: Der
Berhard-Vogel-Kreis, eine Hochschulgruppe an der Universität
Trier, hat ein Papier vorgestellt, das aus Sicht des
BVK-Vorsitzenden Dr. Ignaz Bender noch hohe Wellen schlagen
könnte: ein Sechs-Punkte-Plan für ein besseres Hochschulsystem,
der nicht nur die Situation vor Ort im Blick hat, sondern
grundlegende Veränderungen am System verlangt. Gefordert wird
unter anderem ein finanzieller Ausgleich für den Verzicht auf
Studiengebühren. Unterdessen kam Bewegung in den festgefahrenen
Bildungsstreik: Die verbliebenen Besetzer des Seminarraums B 22
kamen einer Aufforderung von Uni-Präsident Professor Peter
Schwenkmezger nach und gaben den Saal wieder frei. TRIER. An das vergangene halbe Jahr werden sich Hochschulangehörige wohl noch lange erinnern. Der bundesweite Bildungsstreik hat die strukturelle Bildungsmisere in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Demonstrationen wurden organisiert und Hörsäle besetzt, auch in Trier formierte sich der Protest. Zu seinen besten Zeiten brachte der Bildungsstreik bis zu 200.000 Demonstranten auf die Straßen. Dort, wo man es gerne hören wollte, sprach man sogar von einem neuen politischen Bewusstsein an den Hochschulen. Pünktlich zum Ende des ereignisreichen Semesters meldete sich nun der Bernhard-Vogel-Kreis (BVK) zu Wort. Die Hochschulgruppe hat sich die Repolitisierung der Studierendenschaft auf die Fahnen geschrieben. Studierende, Professoren und Ehemalige schlossen sich 2007 zusammen, um mit unterschiedlichen Veranstaltungen das politische Interesse der Hochschüler zu stärken. Am Freitag nun folgte eine Abrechnung mit Bologna, die zwar nicht eine Abschaffung des gesamten Systems fordert, aber “konstruktive Verbesserungsvorschläge darreichen will”, wie es Ignaz Bender, BVK-Chef und ehemaliger Kanzler der Universität, im Rahmen einer Pressekonferenz ausdrückte. Dahinter steht kein prinzipielles Einverständnis, sondern Realismus: “Bologna abschaffen ist unmöglich”, meint Profesor Dietrich Dickertmann, Mitglied im BVK. Aber in der jetzigen Form praktikabel sei die Reform genauso wenig, ergänzt der Volkswirt. Bereits die Art ihres Zustandekommens habe jeder demokratischen Legitimationsgrundlage entbehrt: “Von oben auferlegt”, heißt es im Dokument, ohne jemals im europäischen Parlament diskutiert worden zu sein. Das Papier sei eine Stellungnahme zur “Großwetterlage”, meint Bender. In sechs Punkten listet es Möglichkeiten zur Korrektur des Systems auf, die sich nicht auf die Gegebenheiten in Trier beschränken, sondern den europäischen Hochschulraum in den Blick nehmen. Da sollen sie nach dem Willen des BVK auch gehört werden. In den nächsten Tagen werden die Forderungen an Landtagsabgeordnete, EU-Parlamentarier, Hochschulrektoren und überregionale Tageszeitungen verschickt. “Wir erhoffen uns, eine Diskussion anzustoßen”, fasst der Vorsitzende seine Erwartungen zusammen. Dabei sind einige der Forderungen in der Diskussion um Bologna bereits “Klassiker”: So soll das Betreuungsverhältnis von Studierenden und Dozenten verbessert, eine Bundeshochschulkonferenz eingerichtet oder – ganz allgemein – die Freiheit und Selbstbestimmtheit des Studiums gewährleistet werden. Die Deckungsgleichheit mit einem Großteil der studentischen Forderungen ist dabei nicht zu übersehen, doch es gibt auch Forderungen, die politischen Sprengstoff bergen. So fordert die Hochschulgruppe unter Punkt 3 einen “finanziellen Ausgleich für den Verzicht auf Studiengebühren”. Konkret heißt es: “Deshalb sollten diejenigen Bundesländer, die Studiengebühren ablehnen, ihren Hochschulen die dadurch entgangenen Einnahmen von 1.000 Euro je Studierenden und Jahr zusätzlich über die gewöhnliche Mittelausstattung hinaus zur Verfügung stellen”. Bei der Universität Trier mit derzeit 14.600 Studierenden würde diese Vorgabe eine Aufstockung des jährlichen Haushalts um 14,6 Millionen Euro bedeuten, beziffert der Kreis. Zu Beginn der jüngsten Protestaktionen im November 2009 hatte sich die der BVK im Plenum zwar solidarisch mit den Streikenden erklärt, dann aber im Verlauf des Bildungsstreiks darauf verzichtet, offiziell Position zu beziehen. “Ich halte es prinzipiell für richtig, dass die Studenten sich rühren”, sagt Bender “aber ob sich das in Besetzungen äußern muss, weiß ich nicht. Unsere Form ist der Dialog”. Dialog war zur selben Stunde auch an einem anderen Ort der Universität angesagt: Am Freitag fand nur wenige Meter entfernt eine Unterredung zwischen den verbliebenen Besetzern und Universitätspräsident Professor Peter Schwenkmezger statt. In einer einvernehmlichen mündlichen Vereinbarung einigten sie sich darauf, den seit Ende November besetzten Seminarraum B22 zu räumen. Als Gegenleistung stellt die Universitätsleitung den Studenten einen Büroraum zur Verfügung, den sie ohne inhaltliche Vorgaben für ihre Arbeit nutzen können. Wenn es nach den letzten Bildungsstreikenden geht, dann wird sich die Großwetterlage an den Hochschulen vorerst nicht beruhigen. Sie planen weitere Demonstrationen und Veranstaltungen. Die ersten Arbeitskreise werden bereits gebildet. Vorbeigehende Studenten rollen mit den Augen, wenn die Worte Protest und Besetzung fallen. Der “AK Mobilisierung” dürfte denn auch seine liebe Mühe haben, zumindest einige der Kommilitonen wieder in Bewegung zu setzen. Den kompletten Wortlaut der Stellungnahme finden Sie auf der Homepage des BVK. von Kathrin Schug |
Bachelor und Master: Warum ein Professor sein Amt hinwirft |
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Trierischer Volksfreund vom 12.12.2009 |
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Trotz aller Kritik der Studenten: Nur wenige Professoren äußern sich öffentlich gegen die Umstellung der Universitätsabschlüsse auf Bachelor und Master. Marius Reiser ist einer von ihnen und wählte dafür einen extremen Schritt: Aus Protest gab er seine Professur auf. Am Donnerstag hat er in der Promotionsaula im Priesterseminar seine Gründe erläutert. Trier. (alo)
Straffe Stundenpläne, knappe Zeitangaben und ein Abschluss, der
umstritten ist: Die Umstellung der Universitätsabschlüsse auf
Bachelor und Master im Rahmen des Bologna-Prozesses wurde für
Marius Reiser, Professor für Neues Testament in Mainz, zu einem
untragbaren Zustand. Er setzte ein Zeichen: Im April gab er
seine Professur auf und wurde aus dem Beamtenverhältnis
entlassen. Nun hat er am Donnerstag in der Promotionsaula des
Priesterseminars erläutert, wieso er sich zu diesem radikalen
Schritt entschloss. |
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Trierischer Volksfreund vom 12.07.2009 |
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Trier
Der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und
Thüringen, Professor Dr. Bernhard Vogel, beantwortete in
einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung an der
Universität Trier die Frage, ob Deutschland in bester
Verfassung sei, zurückhaltend mit der Feststellung "nicht in
bester, aber in guter Verfassung".
Verglichen damit habe Deutschland mit seiner Währungsreform, dem vor sechzig Jahren verabschiedeten Grundgesetz, der Durchsetzung der sozialen Marktwirtschaft, der Westintegration, der deutsch-französischen Aussöhnung, dem Weg in die Europäische Union und der Wiedervereinigung vor zwanzig Jahren eine von niemandem für möglich gehaltene Entwicklung in eine bessere und friedlichere Zukunft genommen. Wer an Europa zweifle, so zitierte er den luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean Claude Juncker, sollte einen Soldatenfriedhof besuchen. Der Europamüdigkeit wegen überbordender Bürokratie und ärgerlichem Zuständigkeitsgerangel setzte Vogel den seit 60 Jahren in Europa gewährleisteten Frieden, die Aufhebung der Grenzen aufgrund des Schengenabkommens und die Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung entgegen. Auf Diskussionsfragen eingehend, betonte Vogel, die Osterweiterung der Union müsse nicht zu einer Diskussion über die Verlagerung der europäischen Hauptstadt führen. Europa, insbesondere Deutschland, müsse im Rahmen der Zuwanderung von Ausländern dem Aspekt der nachholenden Integration, dem Spracherwerb und der Ausbildung der Migranten erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Mit der sozialen Marktwirtschaft habe man im Sinne des Widerstandskämpfers Pater Alfred Delp SJ erfolgreich einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus gewählt. Die heutige Weltwirtschaftskrise müsse Anlass sein, Rahmenbedingungen für eine weltweite soziale Marktwirtschaft zu setzen. Die Chancen der Globalisierung müssten genutzt werden, ohne ihre Risiken zu verkennen. Umwelt, Energiebedarf, Demographieentwicklung dürften nicht aus dem Auge verloren werden. Zu innerdeutschen Diskussionsthemen führte Bernhard Vogel aus, dass niemand eine Ahnung gehabt hätte, welche Probleme mit der Wiedervereinigung verbunden gewesen seien. Dies gilt sowohl für die Fehleinschätzung der Wirtschaftskraft der DDR als auch für die Unterschätzung der heute noch anhaltend hohen Arbeitslosigkeit im Osten. Die DDR sei für ihn ein Unrechtsstaat gewesen ohne freie Wahlen, Opposition, freie Medien. Der Staatssicherheitsdienst (Stasi) sei Schild und Schwert der Sozialistischen Einheitspartei SED gewesen zur Bespitzelung und absoluten Kontrolle der eigenen Bevölkerung. Der Staat solle in Wirtschaftsangelegenheiten nicht Akteur oder Mitspieler sein, sondern sich auf die Rolle des Schiedsrichters beschränken, der auf die Einhaltung der Regeln achte. Vor der weiteren Verschuldung der öffentlichen Hand könne er nur warnen. Sie schränke die Handlungsfähigkeit des Staates in der Zukunft erheblich ein. Für das Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland forderte Bernhard Vogel mindestens zwei miteinander im Wettbewerb stehende Volksparteien. Der CDU könne nicht an einer völlig geschwächten SPD gelegen sein. Vogel wörtlich: "Eine Mannschaft allein kann kein Spiel gestalten." Den Protest der Schüler und Studenten müsse man ernst nehmen. Das Aufbegehren sei zwar wegen der gerade zugesagten 18-Milliardenhilfe von Bund und Ländern für das Bildungswesen zu einem unglücklichen Zeitpunkt erfolgt. Die Erhebung von Studiengebühren habe er aber immer für falsch gehalten, solange nicht ein ausgebautes Stpipendienwesen etabliert sei. Dem Namen Bernhard-Vogel-Kreis für die Hochschulgruppe an der Universität Trier habe er ausnahmsweise zugestimmt. Zu seinen Lebzeiten werde er keine weiteren Namengebungen erlauben. |
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Trierischer Volksfreund vom 02.05.2009 |
| Von
unserem Redakteur Jörg Pistorius
Trier
Überfüllte Hörsäle, zu wenig Seminarplätze, wütende
Studenten: Die Raumnot an der Uni Trier ist auch zum Beginn
des Sommersemesters nicht besser geworden. Mittlerweile
werden Seminarplätze verlost.
Weit mehr als 100 Studierende haben sich auf dem Campus der Uni versammelt. Sie alle wollen an einem ebenso öffentlichen wie bedeutsamen Glücksspiel teilnehmen. Der Hauptgewinn ist ein Seminarplatz im Fach Bildungswissenschaften. Davon stehen nur 35 zur Verfügung, und Seminarleiter Michael Schüßler hat Zettel mit den Namen aller Interessenten in seiner Aktentasche. 35 zieht er nacheinander heraus, und die Gewinner freuen sich, als hätten sie in einer Lotterie gewonnen. Der Rest geht leer aus. Das Sommersemester hat begonnen, und es gibt in einigen Fächern bis zu fünf Mal so viele Studenten, wie es offene Plätze in Seminaren und Übungen gibt. Ein echtes Dilemma für viele Lehrkräfte. In den Politikwissenschaften haben sich 100 Studenten auf 45 Seminarplätze beworben. Nach TV-Informationen wurden alle, deren Studiendauer das achte Semester noch nicht erreicht hatte, vom Seminarleiter abgewiesen. Uni-Präsident Peter Schwenkmezger stand gestern laut Mitteilung der Uni-Pressestelle für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. „Die Dozenten werden bei der Auswahl der Seminarteilnehmer völlig allein gelassen“, sagt Jutta Albrecht vom Bernhard-Vogel-Kreis, einer Hochschulgruppe von Lehrkräften, Mitarbeitern und Studenten. „Jeder muss für sich entscheiden, nach welchen Kriterien er Studierenden den Seminarplatz verwehrt. Wir hoffen, dass Universitätsleitung und Ministerium Maßnahmen ergreifen, um schnell eine Änderung der Situation herbeizuführen.“ Es muss sich etwas ändern an der Uni Trier – diese Forderung ist seit Jahren immer wieder aktuell. Zum Beginn des Wintersemesters 2008 verabschiedeten die Trierer Studenten auf einer Vollversammlung im November eine Resolution gegen die schlechten Studienbedingungen und legten aus Protest den halben Petrisberg lahm. Im Januar kündigten Wissenschaftsministerin Doris Ahnen und Präsident Schwenkmezger an, das Raumproblem mit Containern und weiteren angemieteten Räumen bekämpfen zu wollen.
Meinung
Ausgebremst und ohne AntriebVon Jörg Pistorius Deutschlands Hochschul-Ausbildung landet im weltweiten Vergleich mit Sicherheit nicht auf den unteren Plätzen. Doch ein Kritikpunkt taucht vor allem im Vergleich mit den straff geführten Lehrplänen in den USA immer wieder auf: Der durchschnittliche deutsche Studiosus braucht zu lang. Zu viele Semester und Jahre gehen ins Land, bis er in die Berufswelt eintritt. Auch wenn der Vergleich einer privaten und sehr teuren US-Uni mit einer deutschen Hochschule sehr wackelt, deutet er auf ein Kernproblem hin. Wenn ein Student im Unitrott den Antrieb verliert und er, da niemand ihn kontrolliert, mal ein Sommersemester im Freibad verbummelt, ist das sein Problem. Wenn aber ein motivierter Student ausgebremst wird, weil in den Veranstaltungen, die er braucht, kein Platz für ihn frei ist – dann nimmt seine Motivation ab und seine Studienzeit zu. Ich will ja, darf aber nicht – wer das ein paar Semester lang mitgemacht hat, verliert den letzten Funken Motivation. Und die Wirtschaft wird sich einmal mehr über die Praxisferne der Hochschulausbildung beschweren. |
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Trierischer Volksfreund vom 19.12.2008 |
| Kundgebungen,
Demonstrationen, Straßensperren: Ihren Unmut über die
Studienbedingungen an der Universität Trier haben die Studenten
schon ganz unterschiedlich artikuliert. Der konservative
Bernhard-Vogel-Kreis an der Uni Trier brachte nun alle
Beteiligten an einen Tisch: Vertreter der Studenten, der
Lehrenden, der Hochschulleitung sowie des Landes debattierten
über die Zukunft der Hochschule.
Trier. Auf ihm, so konnte vorab
gemutmaßt werden, lastete der größte Druck: In letzter Minute
erreichte Michael Ebling, Staatssekretär im Mainzer
Bildungsministerium, das Trierer Audimax, um sich dem geballten
Unmut der Trierer Studenten über volle Hörsäle und zu wenig
Lehrpersonal zu stellen. Doch statt der 500 Plätze des größten
Hörsaals waren nur um die 200 besetzt. Sechs
Diskussions-Teilnehmer hatte der Bernhard-Vogel-Kreis am
Donnerstag eingeladen, um unter dem Titel "Volle Hörsäle - leere
Kassen" über die Finanznöte der Trierer Universität zu sprechen.
200 Millionen Euro für Bildung
und Forschung |
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Trierischer Volksfreund vom 10.07.2008 |
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"Summer of Love", Hippies und Befreiung von allzu starren
Konventionen vorhergehender Generationen: Überall wird in diesem
Jahr an die 68er-Bewegung von vor vierzig Jahren erinnert. An der
Universität Trier beschäftigte sich Professor Dr. Gerd Langguth in
einem Vortrag in kritischer Weise damit.
Trier. (ald) "Was bleibt?" Das war eine der Leitfragen im Vortrag, den Professor Dr. Gerd Langguth, Politikwissenschaftler von der Universität Bonn, vor etwa 100 Zuhörern hielt. Sein Ziel war es, an der Universität Trier Mythos und Wirklichkeit der 68er-Bewegung voneinander zu trennen. Und dies tat er ziemlich schonungslos. Politologe räumt mit einem Märchen auf Seine Kernthese: "Wir glorifizieren die 60er Jahre mythologisch." Die Bewegung, hauptsächlich getragen von einem kleinen Kern radikaler Studenten, würde heute als großer gesellschaftlicher Aufbruch dargestellt. "Ich will nicht abstreiten, dass 1968 viel bewegt hat", erklärte der Politologe Langguth. Viele Entwicklungen seien beschleunigt worden. "Aber das wäre auch sonst gekommen, nur nicht so schnell."Überhaupt seien viele weit verbreitete Ansichten eher zweifelhaft, meinte Langguth. So werde die deutsche Studentenrevolte häufig viel zu deutsch als Reaktion auf die Zeit des Nationalsozialismus gedeutet, obwohl sie in anderen Ländern ähnlich stattfand. Damalige Studenten sind die Elite von heute Dass so viele Mythen entstehen konnten, war nach Langguths Meinung vor allem deshalb möglich, weil viele Alt-68er in Schlüsselpositionen in Politik und Medien sitzen. Logisch, waren die Studenten damals doch die Elite von heute.Die Radikalisierung von Teilen der Studentenschaft, die bis heute hauptsächlich positiv und als Aufbruch dargestellt werde, habe auch viele beschämende Wirkungen gehabt. Professoren seien beleidigt, bloßgestellt und gedemütigt worden. Auch das Gewaltpotenzial werde heute übersehen: "Damals wurde von Gewalt, von Revolution und so weiter gesprochen, ohne das richtig ernst zu nehmen", lautet das Urteil des Politologen. Laut Langguth der Nährboden für die RAF. Schon die Bewegung selbst sei keine demokratische gewesen - das habe inzwischen selbst Joschka Fischer zugegeben.Im Grunde habe es damals einen harten, sehr radikalen Kern von Studenten gegeben und viele Mitläufer. Das ist das Fazit, das Langguth zieht. Und: "Wenn ich aus der Zeit eines gelernt habe, dann, dass man emotionalen Massenbewegungen gegenüber sehr vorsichtig sein sollte." |
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16vor - Nachrichten aus Trier vom 11.07.2008 |
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Seit 2007 initiiert der Bernhard-Vogel-Kreis, eine Hochschulgruppe an der Universität Trier, politische Informationsveranstaltungen. Auf diese Weise soll das Interesse und die Partizipation der Studierenden gesteigert werden. Ein kontroverses Thema stand am Donnerstag auf der Agenda der Vortragsreihe: Der Bonner Politologe Professor Gerd Langguth, Biograph von Angela Merkel und Horst Köhler sowie ehemaliger Bundestagsabgeordneter der CDU, widmete sich “Mythos und Wirklichkeit” der 68er. TRIER. Man könnte der Meinung sein, dass die Themen “Studentenrevolte” und “68er” zur Genüge medial ausgeschlachtet wurden. Schon vor Jahresbeginn überschlugen sich sämtliche Zeitungen und zahlreiche Zeitzeugen anlässlich des 40. Jahrestages mit Berichten über diese Phase westdeutscher Nachkriegsgeschichte. Die Notwendigkeit einer weiteren Veranstaltung drängte sich vor diesem Hintergrund nicht auf. Interessant war im Vorfeld der Veranstaltung des Bernhard-Vogel-Kreises jedoch nicht nur das Thema, sondern auch der Referent: Professor Gerd Langguth, ein ausgewiesener Konservativer , parliert über die Studentenrevolte? Der ehemalige Vorsitzende des Rings christlich demokratischer Studenten (RDCS) fällt ein Urteil über die 68er? Die Erwartungshaltung bei einigen Zuhörern war entsprechend skeptisch, doch füllte sich der Hörsaal mit immerhin rund 100 Interessierten. Langguths zentrale These ist schnell zusammengefasst: Die heutige Darstellung der Studentenbewegung hat wenig mit den realen Ereignissen in den Sechzigern zu tun. Wir erleben eine Verklärung, die uns ein falsches Bild der Vergangenheit vermittelt. Der Professor, der bereits als Student wenig Sympathie für die revoltierenden Kommilitonen hegte, lehrt und forscht heute an der Universität Bonn über das Phänomen “68er”. Was er dabei anprangert, sind jedoch nicht die grundlegenden Ziele der Studierenden, sondern die Folgen der Revolte und die seiner Meinung nach jetzt stattfindende Verklärung. “Kolle war entscheidender als die 68er” Denn laut Langguth sind viele der Erfolge, die der Bewegung zugeschrieben werden, nicht ihr direkter Verdienst. “Die 68er haben vieles beschleunigt, aber wenig initiiert”, behauptet der Professor. An Beispielen für diese These mangelte es ihm nicht. Schließlich ist die Liste der angeblichen oder tatsächlichen Verdienste, die den 68ern zugeschrieben werden, lang: Anstoß zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Hitler-Diktatur und vor allem mit dem Holocaust; sexuelle Befreiung und Feminismus bis hin zur Modernisierung des Lebensstils nach freiheitlichen Idealen. Doch für Langguth ging davon weniges auf die Urheberschaft der 68er zurück. Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust etwa habe schon Anfang der 60er-Jahre stattgefunden, beispielsweise mit der öffentlichen Übertragung des Eichmann-Prozesses. Für die sexuelle Befreiung seien Oswald Kolle und die Etablierung der Anti-Baby-Pille die entscheidenden Impulse gewesen. Und die Revolution des Lebensstils? Die originären Werte von Partnerschaft und Familie sind damals wie heute die erste Wahl der jungen Menschen, ist Langguth überzeugt, und nicht das Leben in der Kommune. Waren Revolte und Protest also vergeudete Zeit? Auf diese Formulierung will Langguth sich nicht festnageln lassen. “Zweifelsohne war 68 für alle Beteiligten eine sehr bewegende Zeit”, die jedoch in der Retrospektive überbewertet werde. Auf die Frage aus dem Publikum, wie und warum dieser Mythos entstehen konnte, hatte Langguth eine simple Antwort: “Niemand will zugeben, dass ein solches mit Herzblut getragenes Engagement grundlegend falsch war”. Und viele der damaligen Protagonisten säßen eben heute in den Schaltstellen der wichtigsten deutschen Zeitungen. Die anschließende Diskussion, in der sich auch viele Zeitzeugen zu Wort meldeten, zeigte, dass das Thema noch keineswegs ausdiskutiert ist. Von Zustimmung bis hin zu kategorischem Widerspruch war das gesamte Spektrum der Meinungen vertreten. Lediglich mit einer Auffassung scheint Langguth die unterschiedlichen Meinungen im Publikum auf einen gemeinsamen Nenner gebracht zu haben: “Die deutsche Wissenschaft hat ihre Hausaufgaben zu diesem bedeutenden Kapitel der deutschen Geschichte noch nicht annähernd gemacht”. von Kathrin Schug |
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Trierischer Volksfreund vom 19.06.2008 |
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Die Ausbildung zum Lehrer wurde in den letzten Jahren grundsätzlich neu gestaltet. Über die Folgen der Reform wurde auf Einladung des "Bernhard-Vogel-Kreises" diskutiert - mit geteilten Meinungen. Trier. (fgg) 2003 wurde das Reformkonzept zur Lehrerausbildung vom rheinland-pfälzischen Ministerrat beschlossen. Es regelt die Neuausrichtung der Ausbildung vor dem Hintergrund des "Bologna-Prozesses", der die europaweite Umstellung auf einheitliche Studienabschlüsse fordert. Unter dem Titel "Quo vadis Lehramtsstudiengänge und Weiterbildung" hatte der Trierer Bernhard-Vogel-Kreis zur Podiumsdiskussion in den Hörsaal 8 der Universität geladen, um über die sich mittlerweile abzeichnenden Folgen der Mammutreform zu diskutieren, die den Weg ins Lehrerzimmer grundsätzlich neu strukturiert. Nach der Begrüßung durch Ignaz Bender, den Vorsitzenden des Kreises und Ex-Kanzler der Universität, brachten die Podiumsteilnehmer ihre Sicht der Dinge vor. Den Anfang machte Hermann Saterdag. Der war als Regierungsbeauftragter für die Reform der Lehrerausbildung federführend und umriss nochmals die grundlegenden Änderungen: Man habe das Studium "stärker an der Praxis ausrichten wollen", so Saterdag.
Es
besteht jetzt aus dem fächerübergreifenden, sechssemestrigen
Studiengang "Bachelor of Education", der aber ab dem fünften
Semester einen fachspezifischen Schwerpunkt bekommt. Darauf bauen
verschiedene lehramtsspezifische Masterstudiengänge auf. Saterdag
verteidigte das Modell: Gerade die deutlich erhöhten Praxiszeiten
während des Studiums würden die Studenten besser auf ihre Tätigkeit
vorbereiten. Helga Schnabel-Schüle, Leiterin des Trierer Zentrums
für Lehrerbildung (ZFL), stimmte dem grundsätzlich zu. Auch Walter Kuhfuß, der ehemalige Leiter des Studienseminars für das Lehramt an Gymnasien in Trier, sah in den deutlich längeren Praktikumszeiten einen entscheidenden Vorteil. Zudem hätten die längeren Praktika jetzt auch ihr eigenes Curriculum. Dies wirke dem Problem entgegen, dass die Modularisierung der Ausbildung "Lego-Lehrer" erzeuge, bei denen "seriell zergliederte Kompetenzen" nicht zu einem Ganzen zusammenkämen. Malte Blümke als stellvertretender Vorsitzender des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz übte harsche Kritik an den Reformen: Er stellte immanente Systemfehler fest ("Der Bachelor kann nicht der Einstieg ins Berufsleben sein"), und dass es gravierende Probleme in der Übergangsphase gebe: Die Studienseminare, Hochschulen und Schulen sollten zusammenarbeiten, doch die Fachleiter seien längst"überfordert durch die explosionsartige Vermehrung von Aufgaben". Aus den Beiträgen des Forums stach eine Wortmeldung besonders heraus: Eine Studentin schilderte ihre bisher erfolglose Suche nach einem Refendariatsplatz. Selbst mit einer Prüfungsnote von 1,4 sei sie bisher abgelehnt worden. Der Bewerbungsmarathon um ein Refendariat gestalte sich im Studium vieler Kommilitonen zu einem "Flaschenhals", der das Studium unnötig in die Länge ziehe und die Studenten Zeit und Nerven koste. Moderiert wurde die Veranstaltung durch Jutta Albrecht. |
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Trierischer Volksfreund vom 12.05.2008 |
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Im Bernhard-Vogel-Kreis der Universität Trier engagieren sich Dozenten und Studenten mit dem Ziel, Interesse an hochschulpolitischen und anderen politischen Fragen zu fördern. Im Juni steht eine Diskussion zur neuen Lehrerausbildung an. Trier. (mek) Wenn Ignaz Bender auf seine Studentenjahre zurückblickt, reibt er sich verwundert den Kopf. Der ehemalige Kanzler der Universität Trier war in den 60er-Jahren sowohl in Bonn als auch in Freiburg Vorsitzender des Allgemeinen Studierenden Ausschusses. Wahlbeteiligung damals: bis zu 48 Prozent aller Studenten. Von diesen Zahlen können die heute hochschulpolitisch und politisch engagierten Studenten nur träumen. Nicht selten liegt die Wahlbeteiligung gerade so bei über zehn Prozent. Ein Grund für Studenten, Professoren und Mitarbeiter der Universität Trier, den Bernhard-Vogel-Kreis zu gründen. "Wir waren entsetzt über das hochschulpolitische Desinteresse", sagt Bender. Der Vorsitzende des Bernhard-Vogel-Kreises, benannt nach dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Thüringen, möchte zusammen mit rund 35 Mitstreitern daran etwas ändern. "Wir planen im Oktober ein Wochenend-Seminar für hochschulpolitisch-interessierte Studenten. Und am 5. Juni haben wir eine Podiumsdiskussion "Quo vadis Lehrerbildung und Weiterbildung", so Bender. Die Diskussion im Hörsaal 8 (Gebäude D, Psychologie) der Universität Trier beginnt um 18 Uhr. Teilnehmer sind Hermann Satertag, Regierungsbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz für die Reform der Lehrerbildung, Oberstudiendirektor Walter Kuhfuß, ehemaliger Leiter der Studienseminare Trier und Mitglied des Hochschulrats der Uni Trier sowie Dekanin Helga Schnabel-Schüle, Leiterin des Zentrums für Lehrerbildung an der Uni. "Durch die Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge hat das Thema eine enorme Bedeutung", erklärt Bender. Dabei sollen die Standards für die Lehrerbildung erörtert werden. "Diese Leitlinien sollen verbindliche Vorgaben für die Erstellung der Studienpläne an den Hochschulen geben. Die Ausbildung angehender Lehrer soll stärker an den beruflichen Anforderungen orientiert werden." Zugleich sollen in der Podiumsdiskussion konkrete Probleme der Weiterbildung angesprochen werden. Auch eine Veranstaltung über die 68er-Generation hat der Bernhard-Vogel-Kreis in Planung. Zudem soll es bald regelmäßige Mitglieder-Treffen geben. Großen Optimismus möchte Bender trotz der starken Mitarbeit von Studenten in dem Gremium - allein drei der fünf Vorstands-Mitglieder studieren - nicht schüren. "Wir dürfen uns nichts vormachen. Bachelor und Master werden die Studenten noch mehr binden, sie werden kaum noch den Kopf für andere Sachen frei haben." Weitere Infos unter www.bernhard-vogel-kreis.de. Bernhard Vogel war von 1976 bis 1988 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und von 1992 bis 2003 Ministerpräsident des Freistaats Thüringen. Vogel war von 1983 bis 1992 Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, seit 2001 übt er dieses Amt wieder aus. |
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Trierischer Volksfreund vom 18.04.2008 |
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Von unserem Redaktionsmitglied Manuel Kölker Auf einer Podiums-Diskussion in der Universität Trier haben Vertreter der Universitäten des Saarlandes, Luxemburgs und Triers klargemacht, dass sie in Zukunft noch enger zusammenarbeiten wollen. Bürokratische Hürden müssen dafür aus dem Weg geräumt werden. Trier. Ein Trierer Student brachte es auf den Punkt: Bei seinem Versuch, ein Fach in Saarbrücken zu belegen, wurden ihm unglaubliche Hürden in den Weg gestellt. So viele, dass er fast schon keine Lust mehr auf die neue Erfahrung hatte. Wenn vielleicht auch nur ein Einzelfall, aber Wasser in die Mühlen von Luciënne Blessing, Vize-Rektorin der Universität Luxemburg, Volker Linneweber, Präsident der Universität des Saarlandes, und Peter Schwenkmezger, Präsident der Universität Trier. Keiner versteht den anderen Sie alle untermauerten am Donnerstagabend ihre Bemühungen zu einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ihrer Universitäten - gemeinsam forschen und lehren, so lautet das grobe Ziel. Das gibt es zwar bereits im Rahmen der "Charte de Cooperation", Schwenkmezger brachte aber auf den Punkt, woran es hier scheitert: "Wir sitzen dort, und keiner versteht den anderen. Wir müssen Simultanübersetzer benutzen." Zwar gehe es in dem Gremium voran, seitdem er ihm vorstehe, doch wirklich glücklich zeigte er sich nicht mit der Entwicklung der schon 24 Jahre alten Institution. Bürokratische Hürden seien mit eines der größten Probleme, schilderte Blessing. Am Willen allein liegt es nicht Die erst 2003 gegründete Uni in Luxemburg erfreue sich zwar großer Beliebtheit bei ihren mittlerweile 4000 Studenten aus 84 Nationen, doch schon am Semester-Ticket nach Trier scheitere es. "Zudem können unsere Studenten mit ihrem Ausweis nicht die Bibliotheken in Deutschland nutzen", beklagte Blessing. Am Willen allein scheint es nicht zu liegen. Schwenkmezger unterstrich, dass ihm eine Kooperation besonders am Herzen liegt: "Wir hatten schon mit dem Vorgänger der Universität in Luxemburg enge Kontakte. Das wird auch so weitergehen." Anders sei die Lage bei den französischen Universitäten: "Sie haben Luxemburg immer als Konkurrenz gesehen", so Schwenkmezger. Sein Kollege aus Saarbrücken stellte ein von ihm unterstütztes Projekt vor, die "Universität der Großregion". "Der Mehrwert ist einfach für den Studenten, dass er dadurch die Grenze überschreitet", so Linneweber. Bei dem Vorhaben ist Trier jedoch nicht als vollwertiges Mitglied zu sehen. Vordergründig hat Linneweber die Universitäten aus Lüttich, Luxemburg, Metz, Nancy und des Saarlandes auf dem Plan. Trier und Kaiserslautern könnten allerdings dazukommen. Linneweber erhofft sich bei dem Vorhaben eine konstruktivere Zusammenarbeit als bei der Charta. Hier mangelt es laut Schwenkmezger allein am Finanziellen. "Wir haben so wenig Mittel, dass wir damit vielleicht ein paar Studenten als wissenschaftliche Mitarbeiter anstellen könnten. Mehr aber nicht." Alle drei glauben jedoch, dass man aus der räumlichen Nähe in Kürze Profit schlagen werde. Andere graben das Wasser ab "Wir werden uns zusammensetzen und schauen, wie es klappen kann. Das fängt schon bei den Studiengebühren an. Im Saarland gibt es sie - hier nicht", erläuterte Schwenkmezger. Einig waren sich alle zudem, dass das Thema berufliche Weiterbildung lange Zeit verschlafen wurde, allerdings nun angepackt werden muss. "Wir müssen Flagge zeigen. Ansonsten graben uns andere Einrichtungen das Wasser ab", sagte Linneweber. |